GET — der Prozess der Viviane Amsalem

Samstag, 12.12.15 19:30, Filmpodium
Regie: Shlomi und Ronit Elkabetz; Frankreich/Israel/Deutschland 2014; 115' OV/d; Spielfilm

Viviane will sich von Elisha scheiden lassen. Doch was vielerorts nur noch eine bürokratische Bagatelle ist, wird in Israel oftmals zur Zerreissprobe. Wenn, wie im vorliegenden Fall der Amsalems, die Ehepartner schon längst getrennt leben, sich der Mann aber weigert, das Scheidungsdokument, genannt «Get», auszustellen, kann dies eine Frau noch jahrelang gesetzlich an ihn binden. Die Schraube des patriarchalischen Systems dreht sich hier weiter, von der häuslichen zur staatlichen Dimension. Die bekannte Schauspielerin Ronit Elkabetz verkörpert, einmal mehr brillant, eine Frau im emotionalen Würgegriff, die sich gegen ihren religiösen und passiv-aggressiven Ehemann zur Wehr setzt. Drei Rabbiner versuchen im Verhör die Beweggründe für die Trennung zu eruieren, Nachbarn und Geschwister treten in den Zeugenstand. Die sephardischen Frauen- wie Männerfiguren sind stereotyp gezeichnet, unerbittlich reden sie auf Französisch, Arabisch und Hebräisch auf die Rabbiner ein und bringen diese an den Rand eines Nervenzusammenbruchs. Das vollständig im Gericht gedrehte Scheidungsdrama legt den Nahkampf der Geschlechter zwischen emotionaler Tragödie und schwarzhumoriger Komödie an. Ein dramaturgisches Wagnis, doch die Wechselwirkung zwischen den beiden Gattungen funktioniert und trägt durch einen zugleich geduldigen wie atemlosen Film. (slb)

Im Anschluss: Gespräch (engl.) mit der Frauenrechtsexpertin Rothna Begum von Human Rights Watch, Moderation: Helene Aecherli (Annabelle)