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DEN BLICK SCHÄrfen


Seit der Feuertaufe der ersten Ausgabe vom Human Rights Film Festival Zurich vor einem Jahr ist viel passiert. Oftmals erstaunt und überfordert schauen wir auf das turbulente Weltgeschehen – das Medienspektakel lockt, filtert, steuert und rahmt unseren Blick. Die Unübersichtlichkeit stärkt das Bedürfnis nach klaren Orientierungspunkten und im gesamten politischen Spektrum herrscht eine tiefe Verunsicherung, wie man mit den Forderungen nach der Verteidigung «unserer Werte» umgehen soll.

Bewegungen, die sich auf Nation, Religion oder Ethnie berufen, verführen ihre Anhänger mit einem heimeligen Identitätsgefühl, das zugleich gesellschaftliche Ausgrenzungen zementiert. Das Kino setzt sich seit jeher künstlerisch mit diesen Sehnsüchten und Dynamiken auseinander. Die Filme des Human Rights Film Festivals werfen einen neugierigen, unbequemen Blick auf Menschen, die mit festgefahrenen Zuschreibungen ringen und zeigen, dass Identitäten verästelt und kompliziert sind – sei es in Syrien, Israel, Kolumbien, Indonesien, Nordkorea, China, den Philippinen oder in Europa. Es mutet naiv an zu denken, dass Filme und Diskussionen die Welt verändern können, doch ermöglichen sie ein Eintauchen in andere Wirklichkeiten und schärfen unseren Blick.


Sascha Lara Bleuler
Direktorin Human Rights Film Festival Zurich